Landwirtschaftlicher Hauptverein für Ostfriesland e.V.

28.03.2022

Stadtrat Esens lehnt Beitritt zur Entwicklungszone UNESCO Biosphärenreservat ab

In einer sehr sachlichen Diskussion hat der Stadtrat Esens den Beitritt zur Entwicklungszone UNESCO Biosphärenreservat mit großer Mehrheit abgelehnt.

 

Die Ratsmitglieder hatten sich für die Entscheidungsfindung Jürgen Rahmel von der Nationalparkverwaltung und den LHV-Präsidenten Manfred Tannen eingeladen. Herr Rahmel erläuterte zunächst den Prozess und die Inhalte eines möglichen Beitritts zur Entwicklungszone des UNESCO Biosphärenreservats. Er verdeutlichte die herausragende Stellung der Küstenregion in Verbindung mit dem Weltnaturerbe Wattenmeer und die damit einhergehende Verantwortung. Ziel sei es u.a. den Menschen in der Biosphäre die Möglichkeit zur nachhaltigen Entwicklung zu geben, gezielte Förderprogramme zu starten und die Vernetzung in der Region zu verbessern. Rahmel brachte einige Beispiele hervor, welche die Möglichkeiten aufzeigte. Deutlich machte der Nationalparkvertreter, dass er durchaus Verständnis für die Sorgen und Ängste der Landwirte hätte und gerade daher diverse Ausstiegs- und Kündigungsmöglichkeiten erarbeitet wurden. Dieser Ausstiegsmöglichkeit stimmte Präsident Tannen für die Niedersachsenebene durchaus zu, gab jedoch zu bBedenken, dass man mit einem Niedersächsischen Gesetz kein Bundes- oder EU-Recht ändern könne. Zudem sehe man mit der Anerkennung die Gefahr zur Schaffung einer neuen Kulisse, wie auch immer sie aussehen würde. Diese vor dem Zugriff anderer zu schützen sei eben nicht möglich und daher der größte Kritikpunkt. Deutlich wurde Tannen in seinem Vortrag, dass Landwirtschaft sich in kooperativer Zusammenarbeit mit Landesregierung und Naturschutzverbänden auf den „Niedersächsischen Weg“ gemacht hätten. Der Paradigmenwechsel von Ordnungsrecht zur Anerkennung sei der Schlüssel für die Motivation der Landwirtschaft. Weiterhin ging Tannen auf die „Lehren der Vergangenheit“ ein; nämlich der Geschichte der Ausweisung und Sicherung von Vogelschutzgebieten. Seinerzeit habe man mit dem Landkreis in der Erstellung der Landschaftsschutzgebietsverordnung die Einschränkungen in der Bewirtschaftung sehr gering gehalten, spätestens aber mit der neuen Agrarreform hätten die Betriebe massive Nachteile, so wird eine Grünlandnarbenerneuerung faktisch unmöglich – Eine Grundanforderung ohne Ausgleich, so Tannen. Diese Vergangenheit zeige, dass man lokal große Freiheiten erzielen könne, aber eben auf höherer Ebene Einschränkungen zu erwarten habe. Die Zukunft und das höherrangige Recht können aber zu Belastungen führen, „da hilft uns dann auch kein automatischer Ausstieg nach der Entscheidung“.

 

Die Stadtratsmitglieder diskutierten die vorgebrachten Argumente sehr sachlich und zielorientiert – die Entscheidung fiel dann aber um so deutlicher aus: Esens wird kein Teil der Entwicklungszone des UNESCO Biosphärenreservats.

 

Unterstützt wurde die Ratssitzung durch eine Kundgebung hiesiger Landwirte, welche mit sachlichen Statements vor dem Strandportal ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht haben.

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