Landwirtschaftlicher Hauptverein für Ostfriesland e.V.

02.04.2026

Landvolk - INFO allgemein

EU-Agrarministerrat: Debatte über Zukunft der EU‑Agrarpolitik 

Beim EU‑Agrarminister rat am 30. März 2026 in Brüssel haben die Agrarminister der Mitgliedstaaten über den Stand der Umsetzung der „Vision für Landwirtschaft und Ernährung“ ein Jahr nach deren Vorstellung beraten. Im Mittelpunkt standen Fragen der Wettbewerbsfähigkeit, der Vereinfachung der Gemeinsamen Agrarpolitik sowie der Stärkung der Resilienz des Agrarsektors angesichts geopolitischer Spannungen, Marktvolatilität und klimatischer Risiken. Positiv bewertet wurden erste Schritte zur Entbürokratisierung und zur Förderung des Generationswechsels. Gleichzeitig machten mehrere Mitgliedstaaten deutlich, dass weiterer Handlungsbedarf besteht, insbesondere mit Blick auf steigende Produktionskosten und handelspolitische Belastungen. In der Diskussion zur Handelspolitik forderten zahlreiche Länder wirksamere Schutzmechanismen und mehr Gegenseitigkeit bei Importstandards, um europäische Landwirte besser vor Wettbewerbsverzerrungen zu schützen.

 

Rat berät Umwelt-Omnibus und IED 

In der Sitzung der sogenannten „ Antici‑Gruppe “ im EU-Rat (vorbereitendes Gremium) am 30. März 2026 haben die Mitgliedstaaten erstmals den Kompromisstext zum sogenannten Umwelt‑Omnibus im Rat erörtert. Ein zentraler Punkt der Diskussion war die geplante Überarbeitung der Industrieemissionsrichtlinie (IED). Mehrere Delegationen machten deutlich, dass insbesondere die Anwendungsgrenzen und Schwellenwerte praxisnäher ausgestaltet werden müssen, um unbeabsichtigte Belastungen für landwirtschaftliche Betriebe zu vermeiden. Österreich, Polen, Rumänien und Portugal machten sich für eine Anhebung der Schwellenwerte im Tierbereich stark. Deutschland hat diesen Punkt nicht unterstützt. Die Beratungen in der Antici‑Gruppe gelten als wichtige Grundlage für die weiteren politischen Verhandlungen im Rat auf technischer Ebene. Derweil wurden im Europäischen Parlament die Berichterstatter zum Umwelt-Omnibus festgelegt. Die Detailarbeit wird voraussichtlich im Juni beginnen. Der DBV setzt sich für weitergehende Änderungen an der IED, aber auch weiteren Gesetzesrahmen wie der Naturwiederherstellungs-VO, ein.

 

Copa-Cogeca-Umfrage zu Energie- und Düngemittelpreisen 

Begleitend der militärischen Eskalation im Nahen Osten hat COPA-COGECA eine erste Umfrage und Übersicht über laufende Auswirkungen zusammengestellt. Demnach bestehen in vielen Mitgliedstaaten derzeit große Sorgen über stark steigende Düngemittelpreise, verbunden mit Risiken für die Verfügbarkeit. Gleichzeitig sind die Energiekosten (insbesondere für Diesel und andere Kraftstoffe) deutlich gestiegen – teils um 25 bis 100 Prozent. Auch Verpackungsmaterialien wie Glas, Kunststoff und Papier haben sich infolge höherer Energie‑ und Transportkosten verteuert. Hinzu kommen spürbare Engpässe und Kostensteigerungen bei Transport‑ und Logistikdienstleistungen. Zahlreiche Mitgliedstaaten haben allgemeine Maßnahmen zur Abfederung hoher Energiepreise ergriffen. Vier Länder haben gezielte Unterstützung für den Agrarsektor eingeführt. In zwei Mitgliedstaaten wurden direkte Beihilfen zur Entlastung bei Düngemittelkosten gewährt. Weitere Instrumente reichen von erleichterten Krediten bis zu sektorspezifischen Dieselrückvergütungen für landwirtschaftliche Betriebe. COPA-COGECA wird die Umfrage periodisch wiederholen und sich gegenüber den EU-Institutionen für Maßnahmen zur Stärkung der Landwirtschaft und günstigem Zugang zu Energie und Betriebsmitteln einsetzen.

 

Leitungsgespräch mit dem Bundesamt für Naturschutz 

Unter Leitung von Präsident Hartelt und Generalsekretärin Sabet hat in dieser Woche der einmal jährlich stattfindende Austausch mit dem Bundesamt für Naturschutz u.a. mit der Präsidentin Riewenherm stattgefunden. Diskutiert wurden neben den Erwartungen der Naturschutzseite zur GAP auch die laufenden Arbeiten zur Naturwiederherstellungsverordnung inkl. Naturwiederherstellungsplan und zum geplanten Naturflächenbedarfsgesetz (jetzt: Gesetz zur Stärkung der natürlichen Infrastruktur). Von Seiten des DBV wurde deutlich kritisiert, dass die laufenden Vorhaben inkl. des Infrastruktur-Zukunftsgesetzes zusammenhängend betrachtet als Flächenbeschaffung für den Naturschutz mit ordnungsrechtlichen Instrumenten angesehen werden müssen, die einen häufig proklamierten, kooperativen Ansatz aushebeln. Einigkeit bestand hingegen darin, dass die Landwirte für ihre Biodiversitätsleistungen honoriert werden müssen und hierfür auch ein Erhalt der zweiten Säule Grundlage ist.

 

Gespräch mit den Agrarministern der CDU/CSU-geführten Länder 

An diesem Donnerstag findet ein Gespräch zwischen dem DBV und den Agrarministern der CDU/CSU -geführten Bundesländer im HdLE statt. Neben dem Bund sind die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt vertreten. Die thematischen Inhalte reichen von den Überlegungen zur GAP ab 2028 und dem MFR über das Gutachten zum Mindestlohn, die aktuelle Debatte zum Düngerecht, die Vorschläge zur Naturwiederherstellung und das Naturflächenbedarfsgesetz bis hin zur steuerfreien Risikoausgleichsrücklage sowie der Zukunft der Bioenergie. Der DBV wird in diesem Gespräch seine 

Forderungen zu den genannten Themen adressieren und unterstreichen, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft gestärkt, Rahmenbedingungen für Investitionen, Innovation und Nachhaltigkeit geschaffen und ein umfassender Bürokratieabbau umgesetzt werden muss. Insbesondere mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit im europäischen Raum ist eine starke deutsche Position wichtig.

 

DBV-FA Rindfleisch 

Nachtrag: Am Donnerstag, den 26.3., tagte der DBV-Fachausschuss Rindfleisch online. Neben Informationen zum aktuellen Marktgeschehen bei Rindfleisch von der AMI wurde von den Verhandlungen auf Ebene von Haltungsform.de und der ITW zu den Mindestkriterien und dem Programmleitfaden für ITW-Rind im Speziellen zu den Fragen der Fütterung und der Außenklimaställe mit Spaceboards berichtet. Weitere fachliche Themen waren die Initiative Fleisch, die Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten und Australien, das EFSA-Gutachten welfare on beef cattle sowie der aktuelle Stand bei der EUDR, der IED und der EU-Ziertransportverordnung. Es wurde folgender Positionsbeschluss des DBV-Fachausschuss Rindfleisch zum Einbezug von Rindfleisch in das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz abgestimmt: Der Berufsstand spricht sich dagegen aus, dass Rindfleisch aktuell in das THKG aufgenommen wird. Das klare Votum wird in den kommenden Gremiensitzungen an den Verband kommuniziert. Das Forderungspapier konnte noch nicht final abgestimmt werden. 

 

Aktuelle Lage am Düngemittelmarkt

Der deutsche Düngemittelmarkt steht infolge des anhaltenden Nahostkonflikts erneut unter erheblichem Druck. Die militärische Eskalation rund um den Iran und die zeitweise Blockade der Straße von Hormus betreffen eine zentrale Drehscheibe des globalen Energie- und Düngemittelhandels. Ein erheblicher Teil des internationalen Handels mit Stickstoffdüngern wie Ammoniak und Harnstoff sowie mit Phosphaten und Schwefel verläuft über diese Route. Die daraus resultierenden Störungen haben die Gaspreise in Europa spürbar steigen lassen und treiben die Produktionskosten insbesondere stickstoffhaltiger Düngemittel nach oben. Entsprechend ziehen auch die Preise in Deutschland deutlich an. Zwar ist die physische Verfügbarkeit aktuell noch gegeben, doch Logistikengpässe, höhere Importpreise und die Unsicherheit über die weitere geopolitische Entwicklung verschärfen die Marktlage. Der Deutsche Bauernverband hat diese zusätzliche Kostenbelastung in dieser Woche gegenüber der Europäischen Kommission adressiert und rasches Handeln eingefordert. Selbst bei einer kurzfristigen Entspannung im Nahen Osten ist davon auszugehen, dass Logistik und Energieinfrastruktur erst mit erheblicher Verzögerung wieder voll funktionsfähig sein werden – der Handlungsbedarf bleibt daher akut.

 

27.03.2026

Landvolk - INFO allgemein

Gespräche zur Leistungsrahmen-VO 
Der DBV führte in dieser Woche verschiedene politische Gespräche mit der EU-Kommission (GD BUDGET), Europaabgeordneten und weiteren Brüsseler Stakeholdern zur sog. Leistungsrahmen-Verordnung. Die Verordnung ist Teil des MFR-Pakets zur Zukunft des EU-Haushalts und dient der Kontrolle der Haushaltsmittelvergabe. Zum Beispiel sollen Fördermittel auf ihre sozioökonomischen und ökologischen Auswirkungen untersucht werden. Für die Landwirtschaft steht hier die Überprüfung der Wirkungen der GAP-Förderung m Vordergrund sowie die grundsätzlichen Zielmarken für Umweltziele und weitere Konditionalitäten. Der DBV brachte sich proaktiv in die Gespräche ein und forderte u.a. verhältnismäßige Applikation von Klima- und Umweltzielen, einen Abbau von Bürokratie und Ergebnisindikatoren und Ausnahmeregelungen bei wirtschaftlichem oder geopolitischem Druck auf die Ernährungs- und Versorgungssicherheit. Die Verhandlungen des Dossiers stehen noch am Anfang und werden erst im Jahr 2027 final abgeschlossen sein. 

Politische Gespräche und COPA-COGECA-Sitzung zum Pflanzenschutz

Diese Woche Donnerstag, 26. März 2026, tagte die COPA-COGECA Arbeitsgruppe „Pflanzenschutz“. Hoch auf der Agenda stand der im Dezember veröffentlichte Vereinfachungsvorschlag zu Lebens- und Futtermittelsicherheit (Food and Feed Omnibus). Teil dieses Omnibusses ist eine Abänderung der Pflanzenschutzmittelzulassungs-VO (EU 1107/2009). COPA-COGECA begrüßt zwar einerseits die Verbesserungen bei Zugang für biologische Pflanzenschutzmittel (PSM), fordert aber auch weitreichendere Maßnahmen für konventionelle PSM. Der schon bestehende Arbeitsrückstand bei den Zulassungen für chemisch-synthetische Mittel wird mit den Vereinfachungsvorschlägen der Kommission nicht wirksam angegangen. Ebenfalls diskutierte die Arbeitsgruppe intensiv über Rückstandshöchstgehalte (MRLs) auf Importware. Die Europäische Kommission schlägt im Omnibus vor, dass die einzelnen MRLs auf fallspezifischer Basis von bewertet werden. Aktuell kursieren aber auch Forderungen für eine Absetzung der MRLs auf 0,0 %. Ein 0 %-Prinzip könnte jedoch auch Folgen für die Futtermittelwirtschaft haben. So wird eine hohe Menge an Futtermitteln in die Europäische Union importiert und eine 0 % Toleranz könnte letztlich zu einer Erhöhung der Futterkosten sowie eine Gefährdung der verlässlichen Versorgung mit Futtermitteln in der EU führen. Die Diskussion werden im Rahmen eines Workshops bei COPA-COGECA weitergeführt werden. Neben der Arbeitsgruppensitzung fanden auch zahlreiche Termine mit politischen Interessenvertretern in Brüssel statt, wobei sich FBL Johann Meierhöfer für eine Änderung der Aufzeichnungspflichten beim Pflanzenschutzmitteleinsatz sowie die zuvor angesprochenen Forderungen zum Omnibus einsetzte.

EU–Australien Abkommen ausverhandelt 

In dieser Woche haben die EU und Australien ihre Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen abgeschlossen. Das Abkommen eliminiert komplett die Zölle für alle Agrar - und Lebensmittelexporte nach Australien. Dadurch bekommen europäische Produkte wie Wein, Käse oder Schokolade besseren Zugang zum Markt. Umgekehrt öffnet die EU ihren Markt über das gängige Modell der Zollkontingente. Für sensible Produkte wie Rind-, Schaf- und Ziegenfleisch, Zucker, Milchprodukte und Reis gibt es kontrollierte Importquoten. Viele davon sind an Nachhaltigkeits- und „Grassfed “-Vorgaben gebunden. Zudem gibt es Schutzmechanismen und ein Nachhaltigkeitskapitel, damit die EU schnell eingreifen kann, falls Importe die Märkte belasten. Aus Sicht des DBV ist das vorliegende Ergebnis ein ausgewogenes Abkommen. Insgesamt stärkt der Deal die EU-Exporte, ohne die eigene Landwirtschaft stark zu beeinträchtigen. 

Provisorische Anwendung des Mercosur Abkommens ab 1. Mai 2026 
Ab dem 1. Mai 2026 tritt das EU‑Mercosur‑Abkommen vorläufig in Kraft. Mit der offiziellen Notifikation an Paraguay hat die EU‑Kommission den letzten formalen Schritt gesetzt; Argentinien, Brasilien und Uruguay haben bereits ratifiziert, Paraguay steht kurz davor. Damit fallen sofort Zölle auf viele Produkte weg. Für das Kalenderjahr 2026 können die jährlichen Kontingente für verschiedene Produktgruppen noch anteilig für die acht verbliebenen Monate nutzen. Gleichzeitig ist das Abkommen politisch wie rechtlich nicht endgültig. Der EuGH ‑Entscheid wird frühestens in 16 bis 26 Monaten erwartet. Die Chancen, dass Teile des Abkommens durch das Urteil noch gekippt werden, werden als gering eingeschätzt.

Taskforce „Irankrieg“ 
An der Taskforce -Sitzung der Koalitionsfraktionen im Deutschen Bundestag zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Kriegs nahm FBL Meierhöfer als Vertreter des Deutschen Bauernverbandes teil. Im Mittelpunkt der Sitzung standen die stark gestiegenen Kosten für Energie und die Auswirkungen auf Diesel und Düngemittel, welche die landwirtschaftlichen Betriebe zunehmend unter Druck setzen. Der DBV machte deutlich, dass die aktuellen Preissteigerungen – insbesondere beim Diesel – gerade zur Frühjahrsbestellung besonders gravierend sind und die Handlungsfähigkeit der Betriebe ernsthaft gefährden. Der DBV fordert daher eine temporäre Aussetzung der Energiesteuer. Angesichts der Lage sei rasches Handeln der Bundesregierung dringend geboten. 

Reformprogramm Klingbeil 
In einer Grundsatzrede vor der Bertelsmann Stiftung vor 2 Tagen stellte Vizekanzler Klingbeil seine Reform-Agenda vor, mit der die SPD "Deutschland modernisieren will". Im Fokus sollen ein gerechtes Steuersystem und stabile Finanzen sehen. Zentrales Thema der SPD hier ist eine grundlegende Steuerreform bestehend aus 6 Kernpunkten: Einkommensteuerreform soll 95% der Beschäftigen spürbar entlasten; gleichzeitig Abschaffung des Ehegattensplittings für neue Ehen - Frauen raus aus der Teilzeit -; Revitalisierung der Vermögenssteuer; Reform der Erbschaftsteuer; Reform der Kapitalertragsteuer; Kampf gegen Finanzkriminalität. Außerdem: Stabile Haushalte, nachhaltige soziale Sicherungssysteme und Arbeitsmarkt/Rente/Krankenversicherung. Insgesamt Themen, die sowohl innerhalb der SPD als auch in der Koalition mehr als kontrovers diskutiert werden. Die CDU wird sich positionieren müssen und eigene Reformvorschläge einbringen. Hier wird sich zeigen, welche Wege bei wichtigen Reformen die Koalition zusammen gehen kann. Der DBV bleibt hier intensiv dran. Eingriffe in die Substanz lehnen wir weiterhin deutlich ab, da hier massiv in die Substanz der landwirtschaftlichen Betriebe eingegriffen und so ihre Existenz gefährdet wird.

JagdG im Bundesrat 
Mit der heutigen finalen Abstimmung im Bundesrat zum Bundesjagdgesetzes findet ein langjähriger Prozess seinen Abschluss. Die ist ein wichtiger Erfolg verbandspolitischer Arbeit gemeinsam mit den Weidetierhalter- und Landnutzerverbänden. Damit kann in Kürz e eine praxistaugliche Problemwolfentnahme angewendet werden, nach der eine Entnahme nach bestätigtem Riss ohne Genehmigung und unbürokratisch erfolgen kann. Vielversprechend sind auch die möglichen Weidegebiete, die zum Schutz der Weidetiere quasi als wolfsfreie Gebiete angesehen werden können. DBV und LBV haben ferner bereits die Gespräche über die weitere Ausgestaltung der Managementpläne aufgenommen. Der DBV wird sich zur Verabschiedung mit einer ersten Bewertung äußern.

Die Produktinfos können Sie auch direkt beim Landesverband unter www.landvolk.net/Mitglieder/Produktinfos oder über die neue Landvolk-App unter https://landvolk.net/landvolk-app abrufen. Sie benötigen dafür lediglich Ihre Mitgliedsnummer, die Sie z. B. auf Ihrer Mitgliedskarte finden.

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