Landwirtschaftlicher Hauptverein für Ostfriesland e.V.

05.03.2021

Sachstand "Rote Gebiete"

Der Sachstand

Auf Grundlage der im September im Bundesrat verabschiedeten Allgemeinen Verwaltungsvorschrift (AVV) weisen die Bundesländer derzeit die nitrat- und phosphatsensiblen Gebiete neu aus. Am 22.12.2020 hat das Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hierzu neue Karten mit den Gebietskulissen veröffentlicht. Die nitratsensiblen/roten Gebiete haben sich demnach verringert und verlagert. Die in der u.a. Karte rot gekennzeichneten Flächen/Feldblöcke sind ab Inkrafttreten der Neuabgrenzung voraussichtlich März/April 2021 als nitratsensibel eingestuft und mit Auflagen belegt.

 

Die Kritik & Vorgehensweise

Deutliche Kritik an der Methodik der Ausweisung äußern wir seitens des Landvolkverbandes und treiben laufende Normenkontrollklagen des Landesbauernverbandes gegen die Landesdüngeverordnung weiter voran. Der LHV bringt sich an den Klagen finanziell mit ein. Die Klagen haben Mustercharakter und wurden stellvertretend für alle betroffenen Betriebe unter der fachlichen Begleitung von Dr. Hannappel vom Ingenieurbüro Hydor ausgewählt. Durch die Neuabgrenzung und Verlagerung der roten Gebiete kommt es nun zu einer Neubewertung der Klagen durch das Juristenteam des Landvolk Niedersachsen, Dr. Hannappel und der Kreisbauernverbände.

Außerdem wurde nach 2019 von den betroffenen Kreislandvolkverbänden (inkl. LHV) ein weiteres Gutachten bei Dr. Hannapel in Auftrag gegeben.

Es gibt weiterhin verschiedene andere Gruppen, die ihrerseits Gutachten beauftragt haben und Klagen vorbereiten. Bei den Gutachten beabsichtigen das Landvolk wie auch alle anderen Gruppen der Landesregierung einen Weg zu einer kleinteiligeren und gerechteren Regionalisierung aufzuzeigen.

 

Aktuelle Landvolkarbeit

Eine kleinteiligere Regionalisierung ist bereits Bestandteil der Verhandlungen in einem Arbeitskreis zwischen Landesregierung, im Wesentlichen vertreten durch das MU und NLWKN, und Vertretern der Landwirtschaft (u.a. Dr. Holger Hennies, Landvolk Landesverband und Hubertus Berges Kreislandvolk Cloppenburg und LsV). Unter dem Druck der laufenden Landvolk-Normenkontrollklagen gegen die Landesdüngeverordnung scheint es bereits ein Entgegenkommen in Richtung Regionalisierung zu geben. Die von uns aufgesetzten Klagen gegen die Landesdüngeverordnung wirken im Hintergrund.

 

Wofür wir stehen!

Wir befürworten jede Initiative, die zu einer fachlich fundierten Anpassung der Landesdüngeverordnung führt. Gleichwohl schließen sich mögliche Kooperationen aus, da sie z. T. auf einer fachlich identischen Beratung fundieren und u. U. unnötige Kosten verursachen. Wir sind überzeugt, innerhalb des Verbundes der Kreislandvolkverbände eine starke Gemeinschaft zu sein und setzen die uns anvertrauten Mitgliedsbeiträge sinnvoll und zielgerichtet ein.

 

Was können Sie tun?

Alle Infos zum Thema rote Gebiete finden Sie unter: https://www.lhv-ostfriesland.de/protest-rote-gebiete.html 

Dort sind auch Musterschreiben an das MU und ML sowie die Landtagsabgeordneten für Sie vorbereitet. Machen Sie Ihre persönliche Betroffenheit deutlich und äußern Sie Ihren Protest gegen die Landesdüngeverordnung!

Ihr LHV-Team



Stimmt dat ok?

Behauptung: Bei der Ausweisung des Schutzgebietes Fehntjer Tief gibt es Streit über die Wirksamkeit von Gewässerrandstreifen gegen den Nährstoffeintrag von landwirtschaftlichen Nutzflächen in Gewässer. Die Kreisverwaltungen in Aurich und Leer halten einen Gewässerabstand bei der Düngung von mindestens 10 Metern auf Grünland für nötig.


Richtigstellung: Die Gewässerabstände bei der Düngung sind fachlich unnötig, weil es sich um Grünland handelt, wo keine Abschwemmungen zu befürchten sind. Das ist durch unzählige Gutachten belegt. Das von den Landkreisen in der Begründung genannte Gutachten einer kalifornischen Universität ist völlig ungeeignet für unsere Grünlandregion. Das Verbot von Düngung binnen eines Gewässerrandstreifens ist fachlich nicht gerechtfertigt und wird schon in der Düngeverordnung und im Niedersächsischen Wassergesetz geregelt.

 

 

Behauptung: Umweltverbände wie der WWF, aber auch der NLWKN halten die Renaturierung und die Sukzession in Auen- und Ästuarbereichen außerhalb der Deiche für ein geeignetes Mittel, Nährstoffeinträge in Fließgewässer zu vermeiden.


Richtigstellung: Sukzessionsräume mit Gehölzentwicklung haben regelmäßig eine schlechtere Retentionswirkung, da dort kein Nährstoffentzug, sondern im Gegenteil über diffusen Eintrag aus Luftverunreinigungen ein erhöhter Eintrag erfolgt. Die Blattmasse ist eine wirkungsvolle Falle für Schadstoffeinträge, wobei aber mit steigendem Totholzanteil die Aufnahmekapazität ab- und die Freisetzung durch Zersetzung der Biomasse zunimmt. Mit zunehmendem Alter zeigen Sukzessionsflächen deshalb steigende Nitratkonzentrationen im Sickerwasser. Der überregionale Eintrag von Stickoxiden, der den hauptsächlichen Anteil bei der Nitratimmission ausmacht, ist nur durch grenzüberschreitende Reduktionen bei Verkehr und Industrie zu senken. Die benachbarten Niederlande haben zur Verminderung des Eintrags in Natura 2000-Gebiete schon strengere Regeln zur Geschwindigkeitsbegrenzung im Straßenverkehr verhängt und mit wirksamen Bußgeldern bewehrt.


Landvolk-Meldungen zum Thema Düngeverordnung und "Rote Gebiete"

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