Landwirtschaftlicher Hauptverein für Ostfriesland e.V.

24.05.2019

Landvolk - INFO Pflanze

Terminmarkt: Großspekulanten bauen Shortpositionen in Mais, Weizen und Soja ab; Preise steigen massiv
Nach dem Preistief am 13.Mai „betteten“ sich die Großspekulanten an den US-Börsen um. Sie verließen ihre bestehenden Verkaufspositionen und entzogen sich einer möglichen Lieferverpflichtung oder Marginzahlung durch kompensierende Käufe, die so genannte Glattstellung.
Am stärksten geschah dieses am Maismarkt. Wir berichteten über den Verzug bei der Aussaat in den USA. Den Spekulanten wurde die Luft zu heiß und sie verließen den Markt. Innerhalb dieser kurzen Zeit kauften sie 200.000 Kontrakte zur Kompensation und gingen zusätzlich mit ca. 100.000 Kontrakten zu je 5000 bushel (1 bushel = ca. 25 kg) auf die Kaufseite. Dabei trieben sie und sicher auch andere Akteure die Preise innerhalb von zwei Wochen vom Tiefst zum Höchst um 27 % nach oben (in Dollarparität).
Ähnliches geschah auch beim Weizen, allerdings mit weniger Kontraktumsatz und dennoch 23 % Preisanstieg.
Der Sojamarkt konnte noch mit einem Preisanstieg von 12 % profitieren.
Der Übertragungseffekt nach Paris hat ebenfalls funktioniert. Dort stieg der Weizenpreis des Septemberkontraktes um etwa 10 €/t und notiert damit sogar leicht über dem Vorjahresniveau. Dieses versetzt den hiesigen Handel jetzt in die Lage, den Landwirten zur neuen Ernte bessere Vorvertragspreise anzubieten.

Mit einem Paukenschlag verabschiedet sich der Mai
Der von den Terminmärkten vorgelegte Kursanstieg hat für Bewegung am Kassamarkt gesorgt. Wie die AMI berichtet, sind die Kassapreise in allen Regionen für alle Getreideprodukte stark gestiegen. Das betrifft insbesondere die kommende Ernte, wobei die Erzeuger allerdings nur überschaubare Teilmengen absichern sollen. Lagerbestände aus der Ernte 2018 seien hingegen derzeit kaum vermarktungsfähig. Mischfutterhersteller kaufen vereinzelt zwar kleinere Futtergetreidepartien, um noch bestehende Deckungslücken zu schließen. Aber die Nachfrage kann von Seiten des Handels bedient werden, ohne Deckungsgeschäft mit den Erzeugern zu generieren. Daher werden nur sehr vereinzelt Verkaufsgeschäfte aus der Landwirtschaft registriert. Allerdings wird am Futtergetreidemarkt mit Kaufinteresse der Verarbeiter bis zum Anschluss an die nächste Ernte gerechnet, während dies am Brotweizenmarkt weniger wahrscheinlich sein soll. 

Das Risiko der Vorverträge
Im vergangenen Jahr hat es um diese Zeit ebenfalls eine Phase gegeben, in der zur neuen Ernte bessere Preise geboten wurden und viele Erzeuger noch in Verträge eingestiegen sind. Deren Erfüllung führte nach der „Dürreernte“ dann aber häufig zu Schwierigkeiten. Nur zur Erinnerung: es geht ja auch anders. Eine Absicherung des Preises am Papiermarkt eröffnet die Auswahl zwischen der körperlichen Belieferung und der Glattstellung für den Fall, dass man nicht liefern kann oder will.

Terminmarkt: Differenzierte Preisentwicklungen an den Handelsplätze

Terminmärkte aktuell

 

 

03.06.19

14.06.19

Mais (€/t)

Euro-
next:

Aug 19

-

176,5

Nov 19

177,8

174,3

Weizen (€/t)

Euro-
next:

Sept 19

185,3

178,8

Dez 19

188,5

182,8

März 20

190,3

186,0

 

 

 

 

CBOT:

Juli 19

167,3

173,9

Sept 19

169,6

174,9

Dez 19

173,9

178,4

Erdöl ($/barrel)

 

WTI

54,17

52,02

 

Brent

61,56

61,18

Euro/Dollar (1 Euro = …… Dollar)

 

 

1,1177

1,1279

Sojaschrot (€/t)

CBOT:

Juli 19

322,2

317,1

Sept 19

325,0

320,0

Dez 19

329,6

325,1

Verarbeitungskartoffeln (€/dt)

Eurex

 

 

 

Apr. 20             

-

13,1

 

 

 

Raps (€/t)

Euro-
next:

Aug 19

370,8

367,5

Nov 19

373,0

369,8

Feb 20

374,0

372,0

CBOT=Terminbörse Chicago, Euronext=Paris

 

Schätzung der Versorgungslage durch IGC

Der IGC hatte seine Vorschätzungen zur Versorgungslage Ende Mai in Nuancen verändert. Vier Mio. Tonnen mehr Weizen werden erwartet, während die Maiserzeugung um 7 Mio. t sinken soll. Berechnet man hieraus die Vorräte in Tagen, dann ist kein Mangel erkennbar, vor allem nicht beim Weizen. Zahlenkolonnen in dieser hohen Aggregation dienen nicht der kurzfristigen Marktorientierung. Aktuell sieht man an den Terminbörsen eine Differenzierung zwischen den Handelsplätzen, die noch auf Arbitrage wartet.  US-Weizen, Mais und eingeschränkt auch Soja sind nach einer kurzen Delle wieder auf dem Weg nach Norden. In Europa und der Schwarzmeerregion hingegen blieb es ruhiger. Aber offensichtlich konnten die höheren Börsenpreise von Ende Mai in Kassakontrakte umgesetzt werden. Das Preisniveau an den Börsen liegt noch immer mindestens auf Vorjahreshöhe, bei den meisten Produkten aber höher. Es wird jetzt wohl sehr darauf ankommen, wie stark die Ernten am Schwarzen Meer ausfallen und in welcher Form sie bei uns marktwirksam werden.Kartoffeln: Abpacker zahlen gut für deutsche Frühkartoffeln An diesem Wochenende beginnen Abpacker im Westen und Südwesten Deutschland mit der Vermarktung hiesiger Speisefrühkartoffeln an den LEH. Zu diesem frühen Zeitpunkt müssen sie bei der Schalenfestigkeit aber noch Kompromisse eingehen, weil die Nachfrage nach Speisefrühkartoffeln das Angebot an festschaligen Importen deutlich übersteigt. Bei den Preisen knüpfen Vermarkter an das Preisniveau der Importware an. Im Bundesmittel aller Verkäufe hiesiger Speisefrühkartoffeln stellte die AMI am 13.6.2019 einen Preis von 75,94 EUR/dt fest. Im Vorjahr waren es „nur“ 58,89 EUR/dt. In der kommenden Woche dürften sich die Preise weitgehend behaupten, weil die Angebotssituation weiterhin angespannt bleibt und heimische Ware den Markt dominiert. Das ist eine ungewöhnlich gute Situation für die Erzeuger (AMI).

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